Von 5.770 Litern Heizöl zu moderner Wärmepumpen-Kaskade
Wie wir ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit 6 Wohneinheiten und 433 m² beheizter Fläche zukunftssicher gemacht und die jährlichen Energiekosten deutlich reduziert haben.
Baujahr: 1970
Typ: Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten
Fläche: ca. 433 m² beheizte Fläche
Ausgangszustand: Ölheizung von 1993 mit undichtem 10.000-Liter-Öltank
Neue Heizung: 2 × NIBE S2125-14 als Wärmepumpen-Kaskade
Wärmeverteilung: Bestehende Heizkörper, teilweise optimiert
Warmwasser: zentrale hygienische Warmwasserbereitung
Ergebnis: erwartete Jahresarbeitszahl von ca. 4,1 und rund 3.000 € jährliche Heizkosten
30 Jahre alte Heizung und undichte Tankanlage?
Eine neue Lösung muss her!
Bei dem Objekt handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit insgesamt 6 Wohneinheiten und rund 433 m² beheizter Fläche.
Die Wärmeversorgung erfolgte bislang über eine Ölheizung aus dem Jahr 1993. Zusätzlich war der rund 10.000 Liter große Öltank im Keller bereits undicht, sodass nicht nur die Heizungsanlage selbst, sondern perspektivisch auch die Tankanlage hätte erneuert werden müssen.
Der durchschnittliche Heizölverbrauch lag in den Jahren 2020 bis 2022 bei etwa 5.770 Litern pro Jahr beziehungsweise rund 61.600 kWh Endenergieverbrauch. Damit lagen die jährlichen Heizkosten bereits bei ungefähr 5.000 bis 6.000 Euro.
Hinzu kam das wirtschaftliche Risiko für die kommenden Jahre: Durch steigende CO₂-Kosten und die zunehmenden gesetzlichen Anforderungen an fossile Brennstoffe wäre der weitere Betrieb einer Öl- oder Gasheizung langfristig mit deutlich steigenden Kosten verbunden gewesen.
Im Gebäude werden insgesamt 28 Heizkörper betrieben. Das Warmwasser für die Bewohner wurde ebenfalls zentral über die bestehende Heizungsanlage erzeugt.
Die Herausforderung
Bei einem Mehrfamilienhaus dieser Größe reicht es nicht aus, einfach anhand des bisherigen Ölverbrauchs eine neue Heizungsanlage auszulegen.
Der Verbrauch einer alten Ölheizung beinhaltet unter anderem:
- Stillstandsverluste
- Abgasverluste
- Wirkungsgradverluste des alten Kessels
- Verluste bei der Warmwasserbereitung
Deshalb wurde zunächst eine detaillierte Heizlastberechnung durchgeführt.
Das Ergebnis: Das Gebäude benötigt tatsächlich nur eine Heizleistung von knapp 25 kW.
Damit wurde deutlich, dass die benötigte Leistung wesentlich niedriger liegt, als man anhand des bisherigen Energieverbrauchs zunächst vermuten könnte.
Alte Heizkörper, neue Wärmepumpe - ein Widerspruch?
Ein entscheidender Punkt bei der Planung war die Frage: Können die vorhandenen Heizkörper überhaupt mit einer Wärmepumpe effizient betrieben werden?
Um das herauszufinden, haben wir im Rahmen der Heizlastberechnung das gesamte Gebäude und die bestehende Wärmeverteilung genau analysiert. Das Ergebnis: Das Heizsystem kann mit einer maximalen Vorlauftemperatur von etwa 55 °C weiterhin genutzt werden.
Dabei wurde jeder Heizkörper darauf geprüft, ob er bei dieser Temperatur ausreichend Wärme an den jeweiligen Raum abgeben kann. Nur einzelne Heizkörper mussten gezielt vergrößert bzw. ausgetauscht werden.
Das bedeutet: Das komplette Heizsystem musste nicht erneuert werden.
Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, dass auch ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit klassischen Heizkörpern effizient mit einer Wärmepumpe beheizt werden kann – wenn die Heizlast und die vorhandene Wärmeverteilung vorher fachgerecht geprüft und entsprechend geplant werden.
Die Entscheidung für eine Wärmepumpe
Nach der Betrachtung verschiedener Möglichkeiten fiel die Entscheidung bewusst gegen eine neue Öl- oder Gasheizung.
Nach Berücksichtigung der verfügbaren Förderung wäre eine fossile Heizungsanlage in der Anschaffung nicht wesentlich günstiger gewesen. Gleichzeitig wären die laufenden Kosten durch CO₂-Bepreisung und zukünftige Anforderungen an fossile Brennstoffe langfristig schwer kalkulierbar geblieben.
Für die Eigentümer waren bei der Entscheidung vor allem folgende Punkte wichtig:
- Hohe Betriebssicherheit
- langfristig kalkulierbare Kosten
- zuverlässiger Kundendienst
- ein direkter Ansprechpartner aus der Region
- eine technisch zukunftsfähige Lösung
Aufgrund dieser Kriterien fiel die Entscheidung schließlich auf eine Wärmepumpenlösung von uns – individuell geplant, auf das Gebäude abgestimmt und mit Blick auf langfristige Effizienz und Betriebssicherheit. Verbaut wurden zwei Außengeräte:
2 × NIBE S2125-14
Jede Wärmepumpe kann dabei eine Heizleistung von bis zu rund 14 kW bereitstellen.
Durch die Kaskadierung können beide Geräte abhängig vom tatsächlichen Wärmebedarf flexibel zusammenarbeiten. Dadurch entsteht eine hohe Betriebssicherheit und gleichzeitig eine effiziente Leistungsanpassung.
Hohe Effizienz - auch bei niedrigen Temperaturen
Für die Wärmepumpenanlage wird eine Jahresarbeitszahl von rund 4,1 erwartet.
Das bedeutet:
Aus 1 kWh Strom entstehen im Jahresmittel etwa 4,1 kWh Wärme für Heizung und Warmwasser.
Der berechnete Bivalenzpunkt liegt bei etwa:
−3,7 °C Außentemperatur
Damit liegt die Anlage in einem sehr guten Bereich für ein Mehrfamilienhaus.
Erst bei sehr niedrigen Außentemperaturen wird zusätzliche elektrische Heizleistung benötigt.
Hierfür wurde ein 15-kW-Heizstab integriert, der das System bei Bedarf unterstützt.
Trinkwasser für sechs Wohneinheiten
Besondere Aufmerksamkeit musste bei diesem Projekt auf die Warmwasserversorgung gelegt werden.
Bei sechs Wohneinheiten und durchschnittlich rund zwei Bewohnern pro Wohnung muss gleichzeitig:
- genügend Warmwasser verfügbar sein
- eine hohe Schüttleistung gewährleistet werden
- die Trinkwasserhygiene sichergestellt werden
- unnötig große Trinkwassermengen vermieden werden
Deshalb wurde das System so aufgebaut, dass die beiden Wärmepumpen ihre Energie je nach Bedarf entweder in den Heizungs-Pufferspeicher oder in den Speicher für die Warmwasserbereitung liefern.
Die Trinkwasserbereitung erfolgt über ein hygienisches System mit Frischwassertechnik beziehungsweise Frischwasserwendel.
Der entscheidende Vorteil:
Das Trinkwasser wird nicht dauerhaft in einem großen Trinkwasserspeicher bevorratet.
Dadurch reduziert sich das Risiko einer Legionellenbildung erheblich.
Zusätzlich verfügt das System über eine weitere elektrische Nachheizung sowie eine interne Pumpentechnik, um dauerhaft die erforderlichen Temperaturen sicherzustellen.
Am Austritt werden rund 60 °C Warmwassertemperatur gewährleistet. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass auch die Zirkulation mit den erforderlichen Temperaturen betrieben wird.
Die Warmwasserleistung wurde bewusst so ausgelegt, dass auch deutlich höhere Bewohnerzahlen versorgt werden könnten.
Das System könnte theoretisch auch etwa 30 Personen mit Warmwasser versorgen, arbeitet aber gleichzeitig effizient, wenn lediglich rund 10 bis 12 Personen im Gebäude leben.
Neuer Stromanschluss für die Wärmepumpe
Im Rahmen der Sanierung wurde zusätzlich ein eigener Stromzähler beziehungsweise entsprechender Zähleranschluss für die Wärmepumpenanlage geschaffen.
Dadurch können die Eigentümer spezielle Wärmepumpen-Stromtarife nutzen.
Bei einem angenommenen Wärmepumpentarif von rund 0,24 €/kWh und einem erwarteten Jahresstromverbrauch von ungefähr 13.000 kWh ergeben sich jährliche Heiz- und Warmwasserkosten von nur noch etwa: ca. 3000€ pro Jahr
Im Vergleich zu den bisherigen Öl-Kosten von etwa 5.000 bis 6.000 € pro Jahr können die Bewohner ihre laufenden Energiekosten damit aktuell ungefähr halbieren.
Der wirtschaftliche Vorteil kann sich in Zukunft weiter erhöhen, wenn fossile Brennstoffe durch steigende CO₂-Kosten weiter teurer werden.
Vorbereitung für dynamische Stromtarife
Die Anlage bietet zusätzlich die Grundlage für eine noch intelligentere Energieversorgung. In Zukunft könnte das System beispielsweise um einen Batteriespeicher und einen dynamischen Stromtarif erweitert werden.
Dann könnte die Wärmeerzeugung gezielt in günstige Strompreiszeiten verschoben werden.
Ein mögliches Energiemanagement wäre:
- Bei niedrigen Strompreisen werden Warmwasser- und Heizpufferspeicher stärker geladen.
- Sind die Wärmespeicher geladen, wird ein Batteriespeicher geladen.
- Bei hohen Strompreisen wird zunächst die gespeicherte Wärme genutzt.
- Muss die Wärmepumpe trotzdem laufen, könnte der benötigte Strom zunächst aus dem Batteriespeicher kommen.
Damit lässt sich die Wärmepumpe zukünftig noch stärker an schwankende Strompreise anpassen.
Sicherheit und kalkulierbare Kosten
Neben der Energieeinsparung war für die Eigentümer vor allem die langfristige Sicherheit wichtig.
Für die verbaute NIBE-Anlage besteht die Möglichkeit einer Absicherung von bis zu 15 Jahren über eine entsprechende Versicherungslösung.
Dadurch können viele potenzielle Reparaturkosten für einen langen Zeitraum kalkulierbar gemacht werden.
Gerade für eine Eigentümergemeinschaft ist dies ein großer Vorteil, weil sich Wartungs-, Versicherungs- und Betriebskosten deutlich besser planen und auf die Wohneinheiten verteilen lassen.
Aus alter Ölheizung wird zukunftssichere Wärme
Aus einer über 30 Jahre alten Ölheizung mit undichtem 10.000-Liter-Tank wurde ein modernes und langfristig kalkulierbares Heizsystem.
Dieses Projekt zeigt sehr gut, dass eine Wärmepumpe nicht nur im Neubau oder im Einfamilienhaus funktioniert.
Auch ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit 433 m² Wohnfläche, sechs Wohneinheiten und klassischen Heizkörpern kann wirtschaftlich und effizient auf Wärmepumpentechnik umgestellt werden.
Entscheidend ist nicht allein das Alter des Gebäudes.
Entscheidend sind eine korrekte Heizlastberechnung, die passende Dimensionierung der Wärmepumpe, die Überprüfung der Heizkörper, eine durchdachte Trinkwarmwasserlösung und eine saubere hydraulische Planung.
Genau dadurch konnte in diesem Projekt aus einer alten, kostenintensiven Ölheizung eine moderne Wärmepumpenanlage entstehen, die den Bewohnern langfristig Sicherheit, niedrigere Energiekosten und kalkulierbare Betriebskosten bietet.
Yves Schmidt
SHK-Meister und Wärmepumpen Experte